Kuba als Kaffeeproduzent und -lieferant für Bremen im 18. und 19. Jahrhundert

Von Jana Suhr

Die einst spanische Kolonie Kuba entwickelte sich seit Ende des 18. Jahrhunderts zu einer der bedeutendsten auf Sklaverei basierenden Plantagenwirtschaften in der Karibik und Lateinamerika. Nach dem Sklavenaufstand 1791 auf der Nachbarinsel Haiti, die damals noch den französischen Namen Saint-Domingue trug, erlebte Kuba ein beispielsloses Wachstum von Produktion und Export von Kolonialwaren, insbesondere von Kaffee, Tabak und Zucker. Während die Wirtschaft Haitis und ebenso anderer europäischer Plantagenkolonien durch die zunehmende Furcht vor gewaltvollen Aufständen und nach und nach durchgesetzten Verboten des Sklavenhandels geschwächt wurde, kam es auf Kuba zur Phase der sogenannten „zweiten Sklaverei“. Diese meint einen erneuten Aufschwung des Sklavenhandels im 19. Jahrhundert, der auf Kuba gewaltige Ausmaße annahm. Nach 1820 sollen nochmals eine halbe Million Menschen nach Kuba verschleppt worden sein. Neben Sklaven kamen auch tausende Europäer auf die Insel, insbesondere französische Plantagenbesitzer aus Haiti, aber auch Briten aus Jamaika und Spanier, die bislang auf den Festlandkolonien lebten und vor den Unabhängigkeitskriegen flüchteten. Für Kuba bedeutete die Immigration Kapital und Fachleute für den Ausbau der Plantagen.[1] All diese Entwicklungen ließen Kuba von 1817-1830 zum weltweit führenden Kaffeeproduzenten und ab den 1830er Jahren auch von Zucker werden.[2]

Kaffeeproduktion in Kuba

Kaffee wird in Kuba seit der Einführung der ersten Kaffeepflanze im Jahr 1748 angebaut. Ein optimales Wachstum erreichen die Pflanzen in der Karibik in hügeligen Gebieten, aufgrund des kühleren Klimas, der festeren Böden und der häufigeren Regenfälle. Die Kaffeepflanze ist eine schattenliebende Pflanze, die unter sogenannten Schattenbäumen, z. B. Bananenstauden und Obstbäumen, angepflanzt werden muss. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in verschiedenen Gebieten Kubas bereits Kaffee angebaut, doch diente die Produktion vor allem dem Inlandsverbrauch und in geringen Mengen dem Export nach Spanien. Eine umfassende Ausweitung des Kaffeeanbaus brachte die große Anzahl französischer Immigranten, die im Verlauf der haitianischen Revolution nach Kuba kamen und ausgeprägte fachtechnische Fähigkeiten sowie finanzielle Ressourcen mitbrachten.[3] Dieser Aufschwung zeigte sich allein schon in dem enormen Anstieg der Kaffeeplantagen. Im Jahr 1800 gab es auf Kuba 60 cafetales, wie die Kaffeeplantagen genannt werden, 1817 bereits 779 und zehn Jahre später unglaubliche 2.000.[4] Kaffeeplantagen wurden vermehrt zum Statussymbol innerhalb der Gesellschaft, da sie aufgrund ihrer Schönheit zu „showplace plantations“ wurden, die die Dominanz und den Reichtum ihrer Besitzer zum Ausdruck bringen sollten.

Seine Blütezeit hatte die kubanische Kaffeeproduktion zwischen 1817 und 1830 als Kuba den Weltmarkt anführte. Nach dieser Phase führten verschiedene Faktoren zum Rückgang des Kaffeesektors auf Kuba. Negative Auswirkungen auf den Export hatten auf alle Fälle die politischen Konflikte zwischen Spanien und den USA, die schließlich dazu führten, dass Brasilien die Rolle Kubas als Hauptlieferant von Kaffee in die USA übernahm.[5] Die immer größer werdenden Produktionskapazitäten in der Karibik und Lateinamerika führten 1832 zur Überproduktion von Kaffee, infolgedessen die Preise auf weniger als die Hälfte des vorherigen Niveaus fielen. Hinzu kamen heftige Hurrikane in den Jahren 1844 und 1846, die zahlreiche Kaffeeplantagen auf Kuba zerstörten und die Produktion erheblich schrumpfen ließen.[6] Mit der weltweit ansteigenden Nachfrage nach Zucker wurden viele Kaffeeplantagen letztendlich in Zuckerrohrplantagen umgewandelt.

Bremer Kaufleute in Kuba

Bremen pflegte schon seit den 1820er Jahren enge Handelsbeziehungen zu Kuba, was vor allem durch die aufsteigende Tabakindustrie in der Hansestadt zustande kam. Als der Konsum von Kaffee immer beliebter wurde, entwickelte Bremen sich schnell auch zu einem der wichtigsten europäischen Importhäfen für Kaffee. Bremer Kaufleute fingen an sich für den Überseehandel mit Amerika zu begeistern. Sie gründeten Handelshäuser sowohl in ihrer Heimatstadt als auch in den karibischen Kolonien und handelten Kaffee, Tabak und Zucker im Austausch mit deutschen Leinen, die vorwiegend für die Kleidung der Sklaven benötigt wurden.[7]

Die Insel Kuba war ein geschätztes Ziel Bremer Kaufmänner. Seit 1836 verfügte Bremen mit dem 1800 geborenen Diedrich Hermann Wätjen über einen eigenen Konsul in Havanna. Als Lehrling in der Zuckerfabrik von Heinrich Böse in Bremen kam er früh in Kontakt mit dem Zuckerhandel. Im Alter von 22 Jahren ging er auf Empfehlung seines älteren Bruders Diedrich Heinrich Wätjen, der Inhaber der Segelschiffreederei D. H. Wätjen & Co. war, nach London. Acht Jahre lang arbeitete er dort im Zuckergeschäft und emigrierte schließlich 1830 in die USA und 1832 weiter nach Havanna, wo er als selbstständiger Kaufmann ansässig wurde. Für die Firma seines Bruders und auch für andere Bremer Unternehmen tätigte er Einkäufe von Tabak, Zucker und Kaffee. Nach neun Jahren kehrte Hermann Wätjen nach Bremen zurück und etablierte hier sein Im- und Exporthaus „Hermann Wätjen“. Aus Kuba und Venezuela bezog er weiterhin Zucker, Tabak und Kaffee. Im Jahr 1868 starb Hermann Wätjen.[8]

Bereits vor Hermann Wätjen kamen Bremer Kaufmänner nach Kuba. So zum Beispiel Johann August Böving (1799-1867), der 1824 nach Kuba auswanderte. Mit dem Bremer Ludwig Overbeck gründete Böving ein Handelshaus in Trinidad de Cuba und außerdem besaßen sie eine Kaffeeplantage. Nachdem Böving nach Bremen zurückgekehrt und Overbeck bereits verstorben war, übernahm Richard Fritze (1823-1883) im Jahr 1850 das Handelshaus und wurde im selben Jahr zum ersten bremischen Konsul in Trinidad de Cuba ernannt.[9]

Der Einfluss Bremer Kaufleute in Havanna wird anhand eines Zitates des Philosophen Friedrich Engels in seinen Schriften von 1841 in Bremen nochmals unterstrichen: „Auf der Lonja von Havanna wird ebensoviel Bremer Plattdeutsch gesprochen wie Spanisch.“[10] „Lonja“ bedeutet Börse. Es wird erkenntlich, dass eine große Anzahl Bremer Kaufmänner im Handelszentrum Havanna ansässig war und ihre Geschäfte eine große Bedeutung in Kuba einnahmen. Über die Zeit Friedrich Engels in Bremen, wo er eine kaufmännische Ausbildung im Kontorhaus Leupold absolvierte und dort in direkten Kontakt mit dem Handel von Leinen, Tabak und Kaffee kam und auch die Anlandung der Stapelprodukte an der Schlachte genau beobachten konnte, gibt es mehr Informationen zum Nachlesen auf https://www.bremen.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/traditionen-originale-geschichten/friedrich-engels.



Fußnoten

[1] Zeuske, Michael (2014): Sklaverei in Spanisch-Amerika. In: Born, Joachim et al. (Hrsg.): Handbuch Spanisch. Sprache, Literatur, Kultur, Geschichte in Spanien und Hispanoamerika. Für Studium, Lehre, Praxis. Berlin: Erich Schmidt Verlag, S. 593-599.

[2] Singleton, Theresa A. (2015): Slavery behind the wall. An archaeology of a Cuban coffee plantation. Gainesville: University Press of Florida.

[3] García Álvarez, Alejandro (2015): Los primeros tiempos de Cuba en la ruta antillana del café. Revista de Indias 75 (263): 117-148.

[4] López, Sergio (1992): El milagro de la plantación cafetalera en Cuba. Tebeto: Anuario del Archivo Histórico Insular de Fuerteventura 5.1, 301-320.

[5] Singleton 2015

[6] Zeuske, Michael / Zeuske, Max (1998): Kuba 1492-1902. Kolonialgeschichte, Unabhängigkeitskriege und erste Okkupation durch die USA. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag.

[7] Rössler, Horst (2016): Bremer Kaufleute und die transatlantische Sklavenökonomie 1790-1865. In: Staatsarchiv Bremen (Hrsg.): Bremisches Jahrbuch 95: S. 75-106.

[8] Wätjen, Hans (1983): Weißes W im blauen Feld. Die bremische Reederei und Überseehandlung D. H. Wätjen & Co. 1821-1921. Wolfsburg: Niedersachsen-Druck.

[9] Rössler 2016

[10] https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band41.pdf (S. 137)


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