Anbau von Kaffee auf Plantagen in Mittel- und Südamerika

Von Kim Böß & Anna Rode

Ein Vergleich der Lebens- und Arbeitsumstände der Kaffeepflücker*Innen zu Zeiten der Sklaverei und heute

Brasilien ist seit jeher bekannt für seinen Kaffee. Den Grundstein für den Kaffeeanbau in Brasilien legten die Portugiesen*Innen im Jahre 1723 (vgl. Deutschen Kaffeeverband o.J.). Der anfangs weniger interessante Kaffee rückte nach und nach in den Fokus und überholte ab 1820 die Ausfuhr von Zuckerrohr. So wurden um 1858 Zuckerplantagen in Kaffeeplantagen umgewandelt. Von da an stieg die Kaffeeproduktion Brasiliens (vgl. Wätjen o.J.). Auch die Franzosen/Französinnen führten den Kaffee bereits 1723 in die Karibik ein. Die Spanier*Innen zogen später nach und brachten die braunen Bohnen und deren Anbau 1875 nach Guatemala (vgl. Deutscher Kaffeeverband o.J.). 

Sowohl für die Kaffee-, als auch für die Baumwoll- oder Zuckerrohplantagen bediente man sich einer grausamen Maßnahme zur Gewinnung von Arbeitskräften, der Sklaverei. Die Geschichte des transatlantischen Dreieckhandels beginnt bereits Ende des 1500 Jahrhunderts und endet erst im späten 19 Jahrhundert (vgl. Meissner, Mücke, Weber 2008). Menschen aus Westafrika wurden entführt, verschleppt und über den Seeweg nach Amerika gebracht, um unter Zwang die harte Plantagenarbeit zu verrichten. 

Auf den Plantagen wurde in Schichten gearbeitet, unter schwersten Bedingungen, ohne Entlohnung und ohne jeglichen Schutz – somit gehörten Arbeitsunfälle zum traurigen Alltag. Versklavte, die sich weigerten oder versuchten zu fliehen, mussten mit Sanktionen rechnen (vgl. Schomburg-Scherff o.J.). Dabei fiel die Form der Bestrafung je nach Tat unterschiedlich aus. Öffentliches Auspeitschen, Verstümmelungen oder gar der Tod bildeten den grausamer Alltag und waren keine Seltenheit. Auch kam es zu Folterungen oder sexuellen Übergriffen der Grundbesitzer*Innen an den Versklavten. Neben der Arbeit auf den Feldern waren auch die Lebensumstände katastrophal. Die Unterkünfte waren überfüllt, die medizinische Versorgung schlecht. Den ohnehin schon erschöpften Menschen fehlte es an genügend Nahrung und Trinkwasser (vgl. Schomburg-Scherff o.J.). 

Die Kaffeepflücker*Innen auf den Plantagen in Mittel – und Südamerika haben auch heute noch mit den unterschiedlichsten Einflüssen und Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Anbau der Kaffeepflanzen wird von den Folgen des Klimawandels erschwert, der für extremer Temperaturen und schlechtere Voraussetzungen beim Wachsen der sensiblen Kaffeepflanzen sorgt (vgl. Lundy/Bunn 2016). 

Zudem leiden die Kaffeepflücker*Innen unter ihrer Position als schwächstes Glied der Produktionskette vom Kaffee. Ohne sich in Genossenschaften zusammenzuschließen oder gute Verhandlungsvertreter zu haben, sind sie abhängig von den Weltmarktpreisen und großen multinationalen Konzernen. Sie bekommen keine gerechte Bezahlung, viele können kaum ihre Familien ernähren (vgl. flutertv 2019). Dazu kommt harte körperliche Arbeit, wenig Chancen auf Bildung oder besser bezahlte Arbeit und die Gefahr der Kinderarbeit. Viele der Arbeiter*Innen arbeiten ihr Leben lang auf einer Kaffeeplantage, sie schuften mehr als die gesetzliche Maximalarbeitszeit es erlaubt und erhalten keinen Sozialversicherungsbeitrag, kein Arbeitslosengeld und keine Abfindung bei Entlassung. Auch Überstunden werden häufig nicht bezahlt, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden nicht ausgezahlt. Hinzu kommen gefährliche Fahrten zu den Farmen und nicht eingehaltene Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften, die zu Krankheiten führen können (vgl. Campos 2016). 

Diesen Zuständen der Arbeiter*Innen auf den Kaffeeplantagen in vielen Anbauregionen von Kaffee kann beispielsweise durch Zertifizierung von Produkten entgegengewirkt werden. Organisationen wie Fairtrade versprechen den Konsument*Innen die Produktion ihrer Produkte unter sozial vertretbaren und umweltfreundlichen Bedingungen. Aber auch die höheren finanziellen Mittel kommen nicht bei allen Arbeiter*Innen an, gerade nicht offiziell registrierte Kaffeepflücker*Innen profitieren nicht. Es häufen sich Fälle, in denen die Zertifizierung von Plantagen nicht zu einer Verbesserung der Umstände führt, sondern dazu beiträgt, dass die Ungleichverteilung von Bezahlung im Kaffeesektor zunimmt. Darunter leiden vor allem arme und alte Kaffeepflücker*Innen. (vgl. Dragusanu/Nunn 2018). 


Quellen

Campos, André (2016): Certfied Coffee, rightless workers, in: Certfied Coffee, rightless workers, [online] https://reporterbrasil.org.br/wp- content/uploads/2016/12/Cafe%cc%81_ING_Web.pdf [12.03.2020].

Deutscher Kaffeeverband (o.J.): Die Geschichte des Kaffees, in: Deutscher Kaffeeverband, [online] https://www.kaffeeverband.de/de/kaffeewissen/geschichte [17.03.2020]. 

Dragusanu, Raluca / Nathan Nunn (2018): The Effects of Fair Trade Certification: Evidence From Coffee Producers in Costa Rica, in: The Effects of Fair Trade Certification: Evidence From Coffee Producers in Costa Rica, [online] https://scholar.harvard.edu/files/nunn/files/fair_trade_draft_february_2018. pdf [14.03.2020].

flutertv (2019): Ganz schön bitter! So arbeiten die Kaffeebauern in Kolumbien fluter Reportage, in: YouTube, [online] https://www.youtube.com/watch?v=6UG9A3neWLc&t=317s [16.03.2020]. 

Lundy, Mark / Christian Bunn (2016): Peak coffee? Die Folgen des Klimawandels für Arabica Kaffee, in: Peak coffee? Die Folgen des Klimawandels für Arabica Kaffee, [online] https://cgspace.cgiar.org/bitstream/handle/10568/79869/CIAT_coffee_Hamburg.pdf?sequence=1&isAllowed=y [15.03.2020]. 

Meissner, Jochen/Mücke, Ulrich/Weber, Klaus (2008): Schwarzes Afrika. Eine Geschichte der Sklaverei, München: C.H. Beck Verlag. 

Schomburg-Scherff , Sylvia (o.J.): Menschenfressende Plantagen. 400 Jahre Karibische Sklaverei (1500-1900),[online] http://www.journal- ethnologie.de/Deutsch/Schwerpunktthemen/Schwerpunktthemen_2004/Sk. laverei/Menschenfressende_Plantagen/index.phtml [19.03.2020]. 

Wätjen, Hermann (o.J.): Die Hansestädte und Brasilien 1820 bis 1870, in: Weltwirtschaftliches Archiv 22, Weltwirtschaftliches Archiv 1, Chronik und Archivalien, I. Allgemeine Wirtschaftskunde und allgemeine Wirtschaftspolitik, 25 Pages (33 – 57).


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